Tagebuch 2005 Seite 4

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12.09.2005
Am Samstag 10.09.05 war es so weit, das Wittelshöfer Storchenjunge, wurde nach Bornheim verlegt.

Samstag Morgen um 08:00 Uhr fuhr ich nach Ellwangen um Reinhold Schuster und das Storchenjunge, das nach einer DNA-Analyse ein Weibchen ist,  abzuholen. Schuster ging in die Voliere und fing den Jungstorch behutsam ein um ihn dann in einer extra von ihm gebastelten Transportkiste abzulegen.

Fertig zum Transport

Die Fahrt nach Bornheim/ Pfalz war nicht angenehm, das Wetter spielte verrückt. Leichter bis heftiger Regen wechselten sich ab und erschwerte die Sicht. Nach 2 Stunden Fahrt hatten wir unseren Zielort Bornheim erreicht. Unser Fahrgast hatte die lange Fahrt wohlbehalten überstanden und war wohl sehr froh bald aus der Transportkiste befreit zu werden.

 

Storchenauffangstation Storchenscheune

Am Tor zu den Einrichtungen des Vereins Aktion Pfalzstorch e.V. erwartete uns der Storchenexperte des Vereins Klaus Hünerfauth† um uns herzlich zu begrüßen.

Nach der Begrüßung und der ersten Begutachtung unseres Storchenweibchens gingen wir in eine Nebenvoliere der riesigen Freiflugvoliere der Storchenanlage um das Junge in seine neue Unterkunft zu bringen und aus der engen aber doch bequemen Lage zu befreien.

Klaus Hünerfauth† und Reinhold Schuster öffneten die Kiste und setzten das Weibchen auf das Nest. Aus einiger Entfernung beobachtete die jetzige Bewohnerin die Prozedur sehr interessiert.

Die Untersuchung der Verletzung ergab, dass der Bruch des Brustbeins sehr gut verheilt und keine Flugeinschränkung zu befürchten ist.

Wir verließen die Voliere um aus einiger Entfernung das Weitere zu beobachten.
Nach einer kurzen Zeit stand das Wittelshöfer Weibchen auf und begutachtete ihre neue Umgebung. Die ungefähr gleichaltrige Mitbewohnerin ging auf die Neue zu und gab ihr einen leichten Klaps mit ihrem Schnabel auf deren Schnabel um ihr klar zu sagen „Hey, ich bin hier der Boss“ Aber das ließ die Neue nicht zu, sondern nahm das kurze und schmerzlose Gefecht an und gab zur gleichen Zeit den Klaps zurück. So waren alle Unklarheiten für beide beseitigt. Fortan war die gegenseitige Akzeptanz vorhanden.
Anschließend stieg das Wittelshöfer Storchenjunge von ihrem neuen Nest herunter, putzte ihr Gefieder und begutachtete ihr neues Heim.

Jetzt konnte nichts mehr passieren, beide hatten sich akzeptiert und wir konnten uns die große Freiflugvoliere des Vereins in Ruhe ansehen.
In der vereinseigenen Voliere werden die verletzten Störche rührend gepflegt. Einige können, wegen der Schwere der Verletzung, nicht mehr in die Freiheit entlassen werden. Sie sind Dauergast oder werden in Zoos abgegeben. Zur Zeit betreut Klaus Hünerfauth† 31 Störche. Der älteste Bewohner ist 34 Jahre und wurde aus der Stuttgarter Wilhelma vor einigen Jahren übernommen.

Wie geht es nun weiter mit dem neuen Gast.
Im Juli nächsten Jahres wird die Storchendame in die Freiheit entlassen um dann mit den anderen Störchen die Reise in den Süden anzutreten.

Nach einem von Klaus Hünerfauth† vorbereiteten Mittagessen, verabschiedeten und bedankten wir uns für die schnelle Hilfe und die entgegengebrachte Gastfreundschaft sehr herzlich.

Es war ein sehr bewegendes Erlebnis, das ich in dieser Weise noch nicht erlebt hatte.

Für die neue Unterbringung des Wittelshöfer Storchenjungen und die Gastfreundschaft bedanke ich mich bei Klaus Hünerfauth† und dem Verein Aktion Pfalzstorch e.V. in Bornheim.

Für die Rettung des Wittelshöfer Storchenjungen bedanke ich mich bei einem der engagiertesten Vogelschützer und guten Freund, Reinhold Schuster.
Nur durch seine überaus fachliche Kompetenz und seinem enormen Einsatz konnte das Storchenjunge gerettet werden.

Danke auch:
Für die schnelle Hilfe und Verständigung herzlichen Dank an Familie Glatter, und den Jugendlichen des Jugendraumes. Thomas Joas für die ebenso schnelle Bereitschaft das verletzte Storchenweibchen zu Reinhold Schuster zu bringen.

Vielleicht gibt es irgendwann ein Wiedersehen mit der Wittelshöfer Storchendame, Ringnummer A 5456, in Wittelshofen.

Wenn Sie mehr über den Verein Aktion Pfalzstorch e.V. wissen wollen, dann klicken Sie hier: Pfalz Storch

Ein weiteres Storchenjahr, mit vielen Ereignissen, ist zu Ende.

Ein weiteres wird hoffentlich folgen, vielleicht ein weiteres ohne schreckliche Katastrophen.

Das Storchentagebuch 2005 wird nun geschlossen und der Verfasser wünscht allen Besuchern eine gute Zeit bis zum nächsten Tagebuch 2006.

Hansjürgen Wölfinger